Vermehrungstipp
Klettertrompete vermehren: So klappt's auf dem Balkon
Mehr grüne Wände für null Euro? Die Klettertrompete lässt sich erstaunlich einfach vervielfachen. Welche Methode auf deinem Balkon wirklich funktioniert und wann du starten solltest.
Eine Klettertrompete reicht dir nicht? Verständlich. Die Pflanze mit den leuchtenden Trompetenblüten ist ein echtes Statement auf dem Balkon. Statt ein zweites Exemplar zu kaufen, kannst du deine Campsis einfach selbst vermehren. Das spart Geld und macht zudem richtig Spaß. Ich zeige dir zwei Methoden, die auch im Kübel zuverlässig klappen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Vermehrung?
Für die Vermehrung der Klettertrompete gibt es zwei Zeitfenster, die sich an den Methoden orientieren. Kopfstecklinge schneidest du am besten im Frühsommer zwischen Juni und Juli. In dieser Zeit sind die Triebe bereits ausgereift genug, aber noch nicht verholzt. Die Pflanze steckt ihre Energie ohnehin ins Wachstum, das nutzt du für die Bewurzelung aus.
Eine zweite, eher unterschätzte Möglichkeit bietet der Spätsommer. Dann bilden viele Klettertrompeten Wurzelausläufer im Topf. Diese kleinen Ableger lassen sich beim Umtopfen oder auch zwischendurch vorsichtig abtrennen. Sie haben meist schon eigene Wurzeln und wachsen fast immer an.
Stecklinge schneiden: Schritt für Schritt
Diese Methode ist der Klassiker und liefert dir mit etwas Geduld kräftige Jungpflanzen. Du brauchst dafür ein scharfes Messer, kleine Töpfe mit Anzuchterde und durchsichtige Plastikbeutel.
Schneide einen etwa 10 bis 15 Zentimeter langen Trieb von der Mutterpflanze ab. Er sollte kräftig sein, aber nicht blühen. Entferne die unteren Blätter, lass oben nur zwei oder drei stehen. Stecke den Trieb in feuchte Anzuchterde und stülpe die durchsichtige Tüte darüber. Das sorgt für die nötige Luftfeuchtigkeit. Ein heller Platz ohne direkte Sonne ist jetzt ideal. Nach drei bis vier Wochen bilden sich die ersten Wurzeln.
Ein häufiger Fehler ist zu starkes Gießen in der Anwuchsphase. Die Erde soll feucht sein, aber nicht nass. Lüfte die Abdeckung alle zwei Tage kurz, damit sich kein Schimmel bildet. Sobald der Steckling neu austreibt, kannst du die Tüte entfernen.
Ableger nutzen: Die bequeme Alternative
Wenn dir das Schneiden von Stecklingen zu aufwendig ist, halte Ausschau nach natürlichen Ablegern. Die Klettertrompete neigt vor allem im Topf dazu, Ausläufer direkt neben dem Haupttrieb zu bilden. Diese kleinen Pflänzchen erkennst du daran, dass sie eigene Blätter und oft schon feine Wurzeln haben.
Zum Abtrennen nimmst du die Pflanze am besten vorsichtig aus dem Kübel. Suche einen Ausläufer mit mindestens drei eigenen Blättern und einem kurzen Wurzelansatz. Trenne ihn mit einem sauberen Schnitt von der Mutterpflanze und setze ihn in einen eigenen Topf mit nährstoffarmer Erde. In den ersten zwei Wochen hältst du ihn leicht feucht und schattig. Danach gewöhnt er sich an die Sonne.
Diese Ableger-Methode hat den großen Vorteil, dass die Jungpflanzen genetisch identisch mit der Mutterpflanze sind. Du weißt also genau, welche Blütenfarbe und Wuchskraft dich erwarten. Die Überraschung bleibt aus, aber die Freude über die erfolgreiche Vermehrung ist garantiert.
Was brauchen die Jungpflanzen zum Start?
Egal ob Steckling oder Ableger: Die kleine Klettertrompete sollte im ersten Jahr nicht zu viel wachsen müssen. Sie konzentriert sich auf die Wurzelbildung. Ein nährstoffarmes Substrat ist daher besser als vorgedüngte Blumenerde. Es zwingt die Pflanze, ein kräftiges Wurzelsystem auszubilden.
Stelle den Topf an einen windgeschützten Ort auf dem Balkon. Im ersten Winter ist etwas Schutz durch Vlies oder einen geschützten Platz an der Hauswand sinnvoll. Gedüngt wird frühestens im zweiten Frühjahr. Bis dahin reichen die Nährstoffe aus der frischen Erde völlig aus. Mit etwas Geduld hast du bald eine zweite, dritte oder vierte Klettertrompete, die den Balkon mit ihren Blüten schmückt.
Veröffentlicht am 26. Juni 2026