Vermehrung
Zitronengras vermehren: So gelingt's auf dem Balkon
Duftend, aromatisch und erstaunlich einfach zu vermehren: Mit diesen Tricks wird dein Balkon zur Zitronengras-Oase.
Ein Hauch von Asien auf dem Balkon, und das ganz ohne großen Aufwand - dafür sorgt Zitronengras. Das tropische Gras bringt nicht nur eine intensive Zitrusnote in deine Küche, sondern ist auch eine ausgesprochen dankbare Pflanze, die sich mit wenig Aufwand vermehren lässt. Viele Balkongärtner kaufen jedes Jahr eine neue Pflanze, dabei schlummert in fast jedem Stängel eine neue Lebenstrieb. Ob du deine Ernte verdoppeln möchtest oder einfach nur Freude am Gärtnern hast - mit zwei einfachen Methoden klappt die Vermehrung von Zitronengras fast immer.
Was du über Zitronengras wissen solltest
Botanisch gehört Zitronengras (Cymbopogon citratus) zu den Süßgräsern und stammt ursprünglich aus Südostasien. Auf dem Balkon wird es meist im Topf kultiviert, weil es als tropische Staude keinen Frost verträgt. Der Wuchs erinnert an ein dichtes Horstgras: Aus dem Wurzelstock treiben neue Halme und breiten sich nach und nach aus. Genau das macht es so einfach, die Pflanze zu teilen.
Interessant ist vor allem sein Aroma. Verantwortlich dafür ist das ätherische Öl Citral, das in den Zellzwischenräumen der Blätter und Stängel sitzt. Es verleiht dem Gras nicht nur den typischen Duft, sondern wirkt auch keimhemmend - das ist praktisch beim Stecklingsbewurzeln, denn du brauchst dir kaum Sorgen um Fäulnis zu machen, solange die Haltung stimmt. Für die Vermehrung auf dem Balkon bedeutet das: Solide Rahmenbedingungen genügen.
Für die Vermehrung auf dem Balkon stehen dir zwei Hauptwege offen: die Vermehrung aus gekauften oder selbst geernteten Stängeln sowie die Teilung eines vorhandenen Horstes. Beide Methoden haben ihren eigenen Reiz und gelingen auch ohne grünen Daumen zuverlässig. Wichtig ist, dass du mit frischem, gesundem Pflanzenmaterial arbeitest und die jungen Pflanzen schrittweise an die Sonne gewöhnst.
Die beste Methode: Aus Stängeln wurzeln lassen
Die Vermehrung aus Stängeln ist der Klassiker und fast so einfach wie das Bewurzeln von Basilikum in Wasser. Du brauchst dafür frische Stängel - entweder aus deinem eigenen Bestand oder aus dem gut sortierten Supermarkt. Achte darauf, dass die Stängel noch fest sind und das untere Ende eine intakte Basis hat, denn nur dort sitzen die Meristeme, aus denen die Wurzeln sprießen.
So gehst du vor: Schneide einen etwa 15 Zentimeter langen Stängel knapp oberhalb des unteren Drittels ab, entferne alle Blätter bis auf die oberen zwei, und stelle ihn in ein Wasserglas, in dem die Basis etwa zwei bis drei Zentimeter tief im Wasser steht. Nimm zimmerwarmes, kalkarmes Wasser - Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser ist ideal. Stelle das Glas an einen hellen, aber nicht sonnigen Platz auf deinem Balkon oder Fensterbrett.
Bereits nach wenigen Tagen zeigen sich erste kleine Wurzelspitzen, nach etwa zwei Wochen hast du einen dichten Wurzelballen. Sobald die Wurzeln rund fünf Zentimeter lang sind, kannst du den Steckling in nährstoffreiche, durchlässige Topferde setzen. Verwende einen Topf mit mindestens 20 Zentimeter Durchmesser, da Zitronengras ein ausgeprägtes Wurzelwerk entwickelt. In den ersten Wochen hältst du die Erde gleichmäßig feucht, vermeidest aber Staunässe.
Horstteilung: Wenn der Platz knapp wird
Wenn du bereits eine gut entwickelte Pflanze im Topf hast, ist die Teilung die schnellste Art, um an neue Pflanzen zu kommen. Ein Zitronengras-Horst verdrängt nach ein bis zwei Jahren den gesamten Topf - spätestens dann ist es Zeit zum Umtopfen und Teilen. Die Maßnahme stärkt die Pflanze und liefert dir gleich mehrere Ableger auf einen Streich.
Zieh den Wurzelballen vorsichtig aus dem Topf und teile ihn mit einem scharfen Messer oder Spaten in mehrere Stücke. Jedes Teilstück sollte mindestens drei bis vier gesunde Halme und einen gut durchwurzelten Abschnitt besitzen. Wichtig: Schneide abgestorbene oder matschige Wurzelteile sauber ab, um Fäulnis vorzubeugen. Die Schnittflächen können an der Luft etwas antrocknen, bevor du die Teilstücke in separate Töpfe setzt.
Als Substrat verwendest du eine Mischung aus hochwertiger Kräutererde und einem Drittel Sand oder Perlite, um die Drainage zu verbessern. Nach dem Einpflanzen drückst du die Erde leicht an und gießt kräftig. Die nächsten zwei Wochen stellst du die neuen Töpfe halbschattig und windgeschützt; danach gewöhnst du die Pflanzen langsam an die volle Balkonsonne. So geteilt, treiben die Jungpflanzen rasch neue Halme und du kannst schon bald ernten.
Pflege der Jungpflanzen - so wachsen sie stark heran
Junge Zitronengras-Pflanzen brauchen in den ersten Wochen deine Aufmerksamkeit, vor allem in puncto Gießen und Sonnenschutz. Weil die Wurzelmasse noch gering ist, verdunstet die Pflanze viel Wasser über die feinen Blätter. Halte die Erde durchweg feucht, aber nie nass; ein Finger-Test gibt dir Sicherheit. Ein Untersetzer unter dem Topf ist hilfreich, aber schütte überschüssiges Wasser nach 20 Minuten ab.
Nach etwa vier Wochen, wenn die ersten kräftigen grünen Halme erscheinen, beginnst du mit dem Düngen. Ein organischer Flüssigdünger für Grün- und Kräuterpflanzen, alle zwei Wochen in halber Konzentration ins Gießwasser gemischt, fördert dichtes Wachstum und Aroma. Vermeide stickstoffbetonte Dünger, sie führen zu viel Blattmasse, aber weniger ätherischen Ölen. Zitronengras ist kein Starkzehrer, aber für die Ausbildung der kräftigen Stängel braucht es eine ausgewogene Nährstoffversorgung.
Was Krankheiten betrifft, ist Zitronengras auf dem Balkon fast unproblematisch. Einzig Blattläuse können in heißen Sommern auftreten. Ein kräftiger Wasserstrahl oder eine Schmierseifenlösung schaffen schnell Abhilfe. Achte darauf, dass die Luft um die Pflanze zirkulieren kann, dann trocknen die Blätter nach dem Regen rasch ab - das beugt Pilzerkrankungen vor. Bei Temperaturen unter 10 Grad Celsius holst du die Pflanze ins Haus, denn als Tropenpflanze verträgt sie keine Kälte.
Die Vermehrung von Zitronengras auf dem Balkon ist eine dieser Gärtnertätigkeiten, bei der du mit minimalem Aufwand viel gewinnst. Ein paar Stängel im Wasserglas oder ein geteilter Horst reichen aus, um dir über Jahre hinweg eine frische asiatische Zutat direkt vor der Tür zu sichern. Und jede neue Pflanze schenkt dir nicht nur Aroma, sondern auch das gute Gefühl, mit eigenem Material und ein wenig Geduld den Balkon grüner zu machen.
Veröffentlicht am 29. Juli 2026