Vermehrungstipp
Lavendel aus Stecklingen ziehen: So gelingt's
Lavendel aus Stecklingen zu vermehren ist leichter, als viele denken. Entdecke die besten Tricks für üppige Neupflanzen auf deinem Balkon.
Lavendel ist der Inbegriff von mediterranem Flair auf dem Balkon. Die duftenden Blüten, das silbrige Laub und die Bienen, die fröhlich summen - einfach herrlich. Wenn du noch mehr von dieser Schönheit haben möchtest, ohne dafür tief in die Tasche zu greifen, dann sind Stecklinge die perfekte Lösung. Es ist wirklich einfacher, als du denkst. Selbst ich, mit meinem anfangs eher braunen Daumen, habe es geschafft, und heute zeige ich dir, wie es auch bei dir klappt.
Der richtige Zeitpunkt: Wann schneidest du Stecklinge?
Der optimale Zeitraum für Lavendelstecklinge liegt zwischen Juni und August. In dieser Zeit wachsen die Pflanzen kräftig und die Triebe sind genau richtig: nicht mehr ganz weich, aber auch noch nicht völlig verholzt. Diese halbreifen Triebe wurzeln besonders zuverlässig, weil sie genug Energie gespeichert haben und dennoch die nötige Anpassungsfähigkeit mitbringen.
Theoretisch kannst du auch im Herbst Stecklinge schneiden, aber die Bewurzelung dauert dann deutlich länger und die Ausfallrate ist höher. Ich habe es einmal im September versucht und nur einer von fünf Stecklingen hat wirklich überlebt. Deshalb halte ich mich lieber an den Frühsommer. Ein besonderer Tipp: Schneide früh am Morgen, wenn die Triebe noch prall mit Feuchtigkeit sind. So starten die Stecklinge nicht völlig ausgetrocknet in ihr neues Leben.
Wichtig ist, dass die Mutterpflanze gesund ist. Such dir einen kräftigen, blütenfreien Trieb aus - denn Blüten kosten die Pflanze Kraft, die wir lieber in die Wurzelbildung stecken. Wenn du einen Trieb mit Blütenansätzen verwendest, brich diese einfach vorsichtig heraus.
Schritt für Schritt: So ziehst du Lavendel aus Stecklingen
Für einen guten Start benötigst du ein sauberes, scharfes Messer oder eine Gartenschere, kleine Töpfe (etwa 9 cm Durchmesser), Anzuchterde - keine normale Blumenerde, die ist zu nährstoffreich - und möglichst durchsichtige Plastikhauben oder einen Gefrierbeutel. Jetzt kann es losgehen.
- Schneide einen etwa 10 cm langen Trieb unterhalb eines Blattknotens ab. Entferne die unteren Blätter, sodass nur noch zwei bis drei Blattpaare oben übrig bleiben. So reduzieren wir die Verdunstung und der Steckling steckt seine Kraft in die Wurzeln.
- Tauche die Schnittstelle, falls du hast, in Bewurzelungshormon - flüssig oder in Pulverform. Es erhöht die Erfolgsquote enorm, ist aber kein Muss. Ich habe auch ohne Hormon gute Ergebnisse erzielt, indem ich die Stecklinge einfach direkt gesteckt habe.
- Fülle den Topf mit Anzuchterde und steche mit einem Bleistift oder Pikierstab ein Loch vor. So bleibt die Schnittstelle unverletzt und das Pulver haftet besser. Stecke den Trieb etwa 3 bis 4 cm tief in die Erde und drücke sie seitlich leicht an.
- Gieße vorsichtig mit einer Brause, sodass die Erde feucht, aber nicht nass wird. Stülpe die Plastikhaube oder den Beutel über den Topf - das sorgt für ein tropisches Mikroklima, in dem der Steckling nicht austrocknet. Lüfte die Haube alle zwei Tage kurz, um Schimmel vorzubeugen.
- Stelle den Topf an einen hellen, aber nicht vollsonnigen Platz. Direkte Mittagssonne würde den Steckling überhitzen und die zarten Wurzeln stressen. Eine Fensterbank oder ein halbschattiger Balkonplatz ist ideal.
Nach etwa drei bis vier Wochen kannst du vorsichtig am Steckling ziehen. Spürst du einen leichten Widerstand, sind die ersten Wurzeln da. Jetzt beginnt die schönste Phase: du siehst, wie der Mini-Lavendel langsam austreibt. Ab diesem Zeitpunkt darf die Haube öfter ab und die Sonne darf etwas kräftiger scheinen.
Die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest
Ein Fehler, den fast jeder anfangs macht: Zu viel Wasser. Lavendel ist ein Kind des Mittelmeers und hasst feuchte Füße. Wenn die Erde zu nass ist, faulen die Stecklinge, bevor sie überhaupt die Chance zum Wurzeln haben. Gieße lieber weniger, aber dafür regelmäßig - maximal alle zwei Tage einen kleinen Schluck. Noch besser: Stelle die Töpfe so auf, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann.
Ein weiterer Klassiker ist falsches Substrat. Blumenerde ist in der Regel gedüngt und enthält viel organisches Material, das Feuchtigkeit speichert. Für Stecklinge ein Todesurteil. Verwende wirklich spezielle Anzuchterde oder mische dir selbst eine Mischung aus einem Teil Sand und zwei Teilen Kokoserde. Diese Mischung ist luftig, feuchtigkeitsregulierend und liefert genau die richtige Grundlage.
Zu viel Sonne in den ersten Wochen ist ebenfalls riskant. Ein Steckling ohne Wurzeln kann die Sonneneinstrahlung nicht nutzen - er verbraucht dann mehr Wasser als er aufnehmen kann und verdurstet. Ein heller Platz ohne direkte Mittagshitze ist der beste Kompromiss. Bei mir auf der Nordfensterbank haben die Stecklinge immer am besten gewurzelt, obwohl man meinen könnte, sie brauchen pralle Sonne wie die ausgewachsenen Pflanzen.
Die erste Zeit danach: So pflegst du deine Jungpflanzen
Sobald der Steckling Wurzeln gebildet hat und neue Blätter schiebt, ist die sensible Phase vorbei. Trotzdem solltest du ihn nicht sofort in die pralle Sonne oder in einen großen Kübel umsetzen. Gib ihm noch zwei bis drei Wochen im geschützten Anzuchttopf, bis die Wurzeln den Ballen gut durchdrungen haben. Dann topfe vorsichtig in einen größeren Topf - am besten mit durchlässiger, sandiger Erde und einer Drainageschicht aus Kies oder Blähton.
Während der ersten Wochen im größeren Topf kannst du mit dem Gießen etwas großzügiger sein, aber lasse die oberste Erdschicht zwischendurch immer wieder leicht antrocknen. Einmal angewachsen, zeigt sich der Lavendel erstaunlich robust. Kleiner Mutmacher: Aus einem einzigen Steckling wird bei guter Pflege in zwei Jahren ein buschiger Halbstrauch, den du wiederum beernten kannst. So vermehrst du deinen Lavendel quasi im Kreislauf.
Lavendel aus Stecklingen zu ziehen ist eine wunderbare Methode, um deinen Balkon ohne großen Aufwand zu verschönern. Mit dem richtigen Zeitpunkt, etwas Geduld und einer liebevollen aber wasserarmen Hand wirst du bald deine eigenen Duftpflanzen haben. Probier es einfach aus - und lass dich nicht entmutigen, wenn mal ein Steckling nichts wird. Selbst Profis haben Ausfälle. Wichtig ist, dass du dranbleibst und aus den kleinen Fehlern lernst. Bald wirst du die selbstgezogenen Lavendelsträucher in voller Pracht bewundern können.
Veröffentlicht am 7. August 2026