Schädlinge
Kohlweißling am Kohlrabi: Was hilft gegen die Raupen?
Die grünen Raupen fressen in wenigen Tagen die Herzblätter kahl. Vier Merkmale verraten den Befall, bevor die Ernte verloren ist.
Ein Kohlrabi auf dem Balkon wächst wochenlang unauffällig vor sich hin. Dann sitzt plötzlich eine samtgrüne Raupe in den Herzblättern und frisst sie bis auf die Blattrippen ab. Der Falter selbst ist dir nie aufgefallen, denn Kohlweißlinge legen ihre Eier versteckt auf der Blattunterseite ab. Solange die Knolle noch nicht ausgebildet ist, kannst du die Pflanze meistens retten.
Woher kommt der Kohlweißling auf meinen Balkon?
Der Große Kohlweißling (Pieris brassicae) und der Kleine Kohlweißling (Pieris rapae) gehören zu den häufigsten Tagfaltern Mitteleuropas. Sie fliegen ab April über Gärten und Balkone und suchen gezielt nach Pflanzen aus der Kohlfamilie. Kohlrabi gehört dazu, genau wie Rosenkohl, Brokkoli, Radieschen und Rucola.
Gefunden wird dein Kohlrabi nicht zufällig, sondern über den Geruch. Kohlgewächse bilden Senfölglykoside, also scharfe Inhaltsstoffe, die der Falter mit den Fühlern aufspürt. Ein einzelner Topf reicht ihm dafür aus, selbst in der dritten Etage. Zwischen Eiablage und Fertfraß liegen bei warmem Wetter nur zwei bis drei Wochen.
Woran erkennst du den Kohlweißling am Kohlrabi?
Den Falter siehst du selten, seine Spuren aber sehr genau. Kontrolliere immer zuerst die Blattunterseite der äußeren Blätter, denn dort legt das Weibchen ab.
- Eier: etwa einen Millimeter große, gelbe bis orange Kügelchen. Der Kleine Kohlweißling legt sie einzeln, der Große in Gelegen von 30 bis 100 Stück.
- Raupen: samtig grün und einzeln beim Kleinen Kohlweißling, gelbgrün mit gelben Längsstreifen und in Gruppen beim Großen Kohlweißling.
- Fraßbild: junge Raupen fressen Fenster in die Blätter, ältere ganze Blätter und lassen nur die Mittelrippe stehen.
- Kot: kleine grüne Kügelchen auf den Blättern und im Topf.
Verwechslungsgefahr besteht mit den helleren Larven der Kohblattwespe und den kleineren Raupen der Kohlmotte. Für die Behandlung macht das kaum einen Unterschied.
Welchen Schaden richten die Raupen an?
Der Kohlrabi lebt von seinen Blättern. Über deren Fläche betreibt er Photosynthese und baut daraus die Knolle auf. Frisst eine Raupe die jungen Herzblätter weg, fehlt dem Wachstum die Grundlage: Die Pflanze schiebt kaum neue Blätter und bildet eine kleine, holzige Knolle.
Bei schwachem Befall sind nur die Außenblätter durchlöchert und die Knolle wächst weiter. Kritisch wird es am Herzen, wo die jüngsten Blätter sitzen. Fraßwunden sind zudem Eintrittspforten für Pilze, auf feuchtem Balkon kann daraus Fäulnis am Wurzelhals werden.
Wie wirst du die Raupen wieder los?
Zuerst absammeln. Geh morgens und abends mit einer Pinzette über die Blätter und lies Eier, Raupen und Kot ab. Die gelben Gelege lassen sich am einfachsten mit einem feuchten Tuch abwischen.
- Äußere Blätter kontrollieren, Blattunterseite zuerst.
- Gelege komplett entfernen, sonst schlüpfen nach drei Tagen die nächsten Raupen.
- Pflanze mit lauwarmem Wasser abspülen, damit Kot und Häutungsreste verschwinden.
- Nach drei Tagen erneut kontrollieren, denn neue Falter fliegen laufend zu.
Bei starkem Befall hilft ein Präparat mit Bacillus thuringiensis. Die Raupen fressen die Sporen mit dem Blatt und stellen innerhalb von zwei Tagen die Nahrungsaufnahme ein. Für Bienen, Marienkäfer und Schlupfwespen ist das Mittel harmlos, weil es nur im Darm von Schmetterlingsraupen wirkt. Wirksam ist es allein gegen junge Larven, späte Stadien erwischt du damit kaum.
Welches Netz hält den Falter fern?
Die sicherste Methode ist mechanisch. Ein Kulturschutznetz mit einer Maschenweite von 1 bis 2 Millimetern lässt Licht und Luft durch, aber keinen Falter. Entscheidend ist, dass das Netz die Pflanze nirgends berührt, sonst legt der Falter durch die Maschen hindurch ab.
Für einen Kübel reicht ein Gestell aus dicken Stäben mit aufgespanntem Netz. Setze es gleich beim Auspflanzen auf, nicht erst bei Befall. Lange dauert die Kultur ohnehin nicht: Eine früh reifende Sorte wie Kohlrabi 'Azur Star' ist nach etwa acht Wochen erntereif.
Was stärkt den Kohlrabi von Anfang an?
Kräftige, gleichmäßig versorgte Pflanzen überstehen einen leichten Befall besser und treiben zuverlässig neue Blätter nach. Ein paar Gewohnheiten helfen dabei mehr als jedes Spritzmittel.
- Gleichmäßig gießen, denn Trockenstress macht die Blätter weich und duftintensiv.
- Nach Blattverlust nachdüngen, etwa mit Brennnesseljauche im Verhältnis 1 zu 10.
- Mischkultur mit Tomaten, Dill oder Kapuzinerkresse, deren Duft den Kohlgeruch überdeckt.
- Nützlinge fördern, denn Schlupfwespen und Spatzen räumen ganze Gelege ab.
Ein letzter Kniff ist die Ablenkpflanzung. Setze eine Kapuzinerkresse in einen zweiten Topf neben den Kohlrabi. Der Falter legt dort ab, die Raupen fressen die Kresse, und der Kohlrabi bleibt verschont. Sobald sich Raupen an der Kresse zeigen, kommt die Pflanze in den Restmüll.
Viel Aufwand ist das nicht: zweimal pro Woche die Blattunterseite kontrollieren, ein Netz über den Jungbestand, und die Knolle hat gute Chancen. Selbst ein Kohlrabi, der schon halb gefressen aussieht, treibt aus dem Herz wieder aus, solange der Vegetationspunkt unverletzt ist.
Veröffentlicht am 30. September 2026