Vermehrung
Crassula (Geldbaum): Kindel abtrennen oder Samen?
Ein Samenkorn braucht Monate bis zur ersten Blattrosette. Ein abgetrennter Kindel ist nach zwei Wochen bewurzelt.
Wer einen Geldbaum aus Samen ziehen will, braucht vor allem Geduld. Die Samen von Crassula ovata sind staubfein, keimen unzuverlässig und die Sämlinge wachsen im ersten Jahr kaum sichtbar. Wer schneller zu einer kräftigen Pflanze kommen will, sollte stattdessen einen Kindel abtrennen. Dieser Weg ist deutlich zuverlässiger und dauert nur wenige Wochen.
Warum die Aussaat von Crassula so mühsam ist
In ihrer Heimat Südafrika bildet Crassula ovata im Winter kleine weiße bis rosafarbene Blütensterne. Daraus reifen nur dann Samen, wenn eine zweite Pflanze in der Nähe blüht und Insekten den Pollen übertragen. Auf der Fensterbank bleibt dieser Schritt fast immer aus, weil die Blütezeiten der beiden Pflanzen selten zusammenfallen.
Selbst wer an frisches Saatgut kommt, hat mit einer niedrigen Keimquote zu kämpfen. Die Körner sind nur einen Bruchteil eines Millimeters groß und vertrocknen binnen Stunden, wenn die Oberfläche austrocknet. Du säst sie auf feuchtes, fein gesiebtes Substrat, drückst sie nur an und hältst sie unter einer Haube feucht. Bis zum ersten grünen Pünktchen vergehen drei bis sechs Wochen.
Danach beginnt die eigentliche Durststrecke. Ein Sämling legt im ersten Jahr oft nur zwei bis drei Blattpaare zu und bleibt unter fünf Zentimetern. Bis daraus ein kleiner Stamm wird, sind es eher drei bis vier Jahre als ein paar Monate.
Crassula Kindel abtrennen: Der richtige Moment entscheidet
Ein Kindel ist ein kleiner Seitentrieb, den eine gesunde Crassula ovata an der Basis oder weiter oben am Stamm selbst bildet. Sobald so ein Trieb eine eigene kleine Blattrosette hat, ist er kein Anhängsel mehr, sondern eine vollständige Pflanze mit eigener Wurzelanlage. Ein kräftiger Geldbaum schenkt dir auf diese Weise jedes Jahr ein bis drei neue Exemplare.
Der beste Zeitpunkt liegt im Frühling oder frühen Sommer, wenn die Pflanze ohnehin stark austreibt. Der Trieb sollte mindestens drei Zentimeter lang sein und wenigstens vier bis sechs Blätter tragen. Ist er zu klein, hat er zu wenig Reserven und vertrocknet oft vor der Bewurzelung.
So gehst du vor:
- Messer oder Skalpell mit Alkohol abwischen.
- Den Kindel dicht am Stamm mit einem glatten Schnitt lösen, nicht abdrehen.
- Den unteren Blattkranz entfernen, damit später kein Blatt im Substrat fault.
- Die Schnittstelle ein bis zwei Tage an der Luft abtrocknen lassen, bis sie sich wie eine dünne Haut anfühlt.
- In mineralisches Substrat stecken und erst nach einigen Tagen leicht angießen.
Wie der Kindel im Topf Wurzeln schlägt
Geldbäume wurzeln nicht in feuchter Blumenerde, sondern in Luft und Mineral. Ein Torfsubstrat hält zu lange Wasser und lässt die frische Schnittstelle schnell verfaulen. Mische dir stattdessen ein grobes Substrat zusammen.
- zwei Teile Bims oder Perlite
- ein Teil Kokosfasern oder feine Rinde
- ein Teil gewaschener Sand
Der Topf darf klein sein, fünf bis sieben Zentimeter Durchmesser reichen völlig. Ein zu großer Topf bleibt lange feucht und ist die häufigste Ursache für faule Stecklinge. Stelle den Topf an einen hellen Platz ohne pralle Mittagssonne, bei 18 bis 22 Grad.
Nach zwei bis vier Wochen zeigt ein sanfter Zug am Trieb, ob sich etwas festhält. Sitzt er fest, haben sich Wurzeln gebildet. Erst dann beginnst du mit dem regulären Gießen.
Was der junge Geldbaum danach braucht
Viel Licht ist jetzt das Wichtigste. Ein Platz direkt am Südfenster ist ideal, im Sommer darf die Pflanze nach einer Eingewöhnungswoche auch auf den Balkon. Dort entwickeln sich die Triebe kompakter und die Blattränder färben sich rötlich.
Gegossen wird erst, wenn das Substrat vollständig trocken ist. Der Geldbaum ist ein Dickblattgewächs und speichert Wasser in seinen Blättern. Staunässe ist der häufigste Fehler und lässt den Stamm von unten weich werden. Dünge in der Wachstumsphase von April bis September alle vier Wochen mit einem Kakteendünger in halber Konzentration.
Alle zwei bis drei Jahre im Frühling topfst du in frisches, mineralisches Substrat um. Dann bleibt der Geldbaum über Jahre kompakt, standfest und treibt regelmäßig neue Kindel, aus denen du weitere Pflanzen ziehen kannst.
Aus Samen wird irgendwann ein Geldbaum, aber der Weg dorthin ist lang und voller Unsicherheiten. Ein abgetrennter Kindel dagegen bringt dir in einem Sommer eine Pflanze, die schon wie ein kleiner Geldbaum aussieht. Für den Anfang auf der Fensterbank ist das der deutlich freundlichere Weg.
Veröffentlicht am 14. Oktober 2026