Aussaat
Aussaat im November leicht gemacht: Der Ratgeber
Frost, kurze Tage, nasse Erde: Trotzdem keimen im November überraschend viele Samen. Fünf Kandidaten für Topf und Balkonkasten.
November klingt nicht nach Aussaat. Zu dunkel, zu nass, zu kalt, denkt man. Dabei ist jetzt genau die Zeit, in der du auf dem Balkon mit wenig Aufwand das Frühjahr vorbereitest. November-Aussaat leicht gemacht heißt nämlich nicht, gegen das Wetter anzukämpfen, sondern mit ihm zu arbeiten. Meine erste Winterportulak-Saat ist mir damals in einer einzigen Regennacht abgesoffen, seitdem steht die Kiste unter dem Dachvorsprung.
Das Prinzip ist simpel: Es gibt Samen, die Kälte sogar brauchen. Sie keimen im Herbst oder erst nach dem Frost, wenn die Tage wieder länger werden. Dazu kommen ein paar Blattgemüse, die mit wenigen Stunden Licht zurechtkommen und in vier bis sechs Wochen erntereif sind. Beides passt in einen Balkonkasten.
Diese Samen keimen auch bei acht Grad
Die zuverlässigsten Kandidaten für den November sind Blattgemüse, die kühle Böden mögen. Valerianella locusta, der Feldsalat, keimt bei Bodentemperaturen um die zehn Grad zuverlässig und steckt leichten Frost weg. Ähnlich robust ist Claytonia perfoliata, der Winterportulak.
- Feldsalat (Valerianella locusta): keimt in zehn bis vierzehn Tagen
- Winterportulak (Claytonia perfoliata): wächst noch bei drei Grad weiter
- Winterriesen-Spinat: robuster als Sommer-Spinat und schießt kaum
- Asiasalate wie Mizuna und Tatsoi: scharf, schnell, frostfest
- Schnittsalat und Kresse: nach drei Wochen erntereif
Bei kühlen Temperaturen dauert alles deutlich länger als im Sommer. Rechne mit dem Doppelten, also zwei bis drei Wochen statt sieben Tage. Säe deshalb dünner, als du es im Mai tun würdest, damit sich die Sämlinge nicht gegenseitig ersticken.
November-Aussaat leicht gemacht: Erde, Topf, Drainage
Im November entscheidet die Erde mehr als die Sorte. Nimm Aussaaterde, keine abgelagerte Blumenerde aus dem Sommer. Sie ist mager, fein krümelig und speichert weniger Wasser. Genau das brauchst du, denn nasse Wurzeln sind der schnellste Weg zu einem Totalausfall.
Jeder Topf bekommt eine Drainageschicht. Zwei Zentimeter Blähton oder grober Kies reichen völlig. Achte darauf, dass kein Untersetzer voll Wasser stehen bleibt. Nach dem Gießen kippst du den Rest nach etwa zwanzig Minuten weg.
Die Aussaat selbst ist unspektakulär: Samen dünn aufstreuen, eine Hauchdecke Erde darüber, andrücken, vorsichtig anfeuchten. Lichtkeimer wie Kresse bleiben unbedeckt, sie brauchen den Kontakt zum Licht zum Keimen.
Licht ist im November knapper als Wasser
Auf der Fensterbank bekommen Sämlinge im November oft nur drei bis vier Stunden brauchbares Licht. Das reicht für Kresse, für alles andere wird es eng. Lange, dünne Triebe sind kein Nährstoffproblem, sondern ein Lichtproblem.
Ein Südfenster ist die beste kostenlose Option. Wenn du mehr willst, hängst du eine einfache LED-Anzuchtlampe zwölf bis vierzehn Stunden über die Töpfe. Der Abstand liegt anfangs bei rund zehn Zentimetern.
Draußen funktioniert Aussaat nur mit Wetterschutz. Ein Frühbeetkasten, ein umgedrehter Klarsichtkasten oder ein Platz an der Hauswand unter dem Dachüberstand halten Regen ab und sammeln Restwärme.
Warum im November so viel schimmelt
Nässe, Kühle und Windstille zusammen sind ideal für Grauschimmel (Botrytis). Du erkennst ihn an feinen grauen Pelzüberzügen auf der Erdoberfläche und an weichen Stängeln. Ein befallener Topf ist meist nicht mehr zu retten.
Vorbeugen ist einfach. Lüfte zweimal am Tag für zehn Minuten, gieße nur am Morgen und möglichst nicht über die Blätter. Steht alles zu dicht, zupfe die schwächsten Keimlinge heraus, auch wenn es überwindet.
Ein trockener Rand ist kein Problem. Die Oberfläche darf zwischendurch abtrocknen, in der Tiefe muss es feucht bleiben. Prüfe mit dem Finger, nicht nach Kalender.
Was du besser bis Februar liegen lässt
Tomaten, Paprika, Chili und Basilikum gehören nicht in die Novemberaussaat. Sie brauchen in den ersten Wochen viel Licht und Wärme. Bei vier Stunden Tageslicht werden sie lang und dünn und holen das später nie wieder auf.
Anders sieht es bei Kaltkeimern aus. Akelei, Lavendel oder Phlox brauchen einen echten Kältereiz, um überhaupt zu keimen. Du säst sie jetzt in Töpfe, lässt sie draußen stehen und wartest bis zum Frühjahr. Das ist keine verlorene Zeit, sondern eine Abkürzung.
Für alle Gefäße auf dem Balkon gilt: Stelle sie auf Holzklötze, damit sie nicht im gefrorenen Wasser stehen. Gegossen wird nur an frostfreien Tagen am Vormittag.
November-Aussaat ist weniger Arbeit, als du denkst. Du füllst zwei, drei Kästen, hältst sie feucht und lässt sie ansonsten in Ruhe. Wenn der Februar kommt, hast du Pflanzen mit Wurzeln, während andere noch Samen in der Tüte haben. Und falls eine Kiste nichts wird, ist das kein verlorenes Jahr, sondern eine Notiz für den nächsten Winter.
Veröffentlicht am 2. November 2026