Herbstlaub
Laub auf dem Balkon: kompostieren oder entsorgen?
Ein Ahorn über dem Balkon schüttet im Oktober mehrere Kilo Laub auf die Fliesen. Im Kübel wird daraus binnen eines Jahres feine Erde.
Kaum ist der Oktober vorbei, liegen die Fliesen voller Blätter. Wer Laub auf dem Balkon kompostieren oder entsorgen will, steht vor einer einfachen Frage: Was darf in den Kübel, was in den Sack? Die Antwort hängt weniger vom Platz ab als von der Blattart und vom Zustand des Laubs. Mit der richtigen Mischung wird aus dem Herbstputz binnen eines Jahres feine Erde für die nächste Tomatensaison.
Welches Laub darf in den Balkonkompost?
Nicht jedes Blatt verrottet gleich schnell. Weiches Laub von Linde, Ahorn, Birke und Obstbäumen zersetzt sich zügig und liefert dunklen Humus. Genau diese Blätter sind die Basis für einen Laubkompost auf kleinem Raum.
Hartes, ledriges Laub braucht deutlich länger. Eiche (Quercus) und Buche stecken voller Gerbstoffe, die Walnuss (Juglans regia) bringt zusätzlich Juglon mit. Das bremst den Abbau und kann empfindliche Kulturen ausbremsen. In kleinen Mengen untergemischt ist das harmlos, als alleinige Füllung im Balkonkübel aber zäh.
- Schnell: Linde, Ahorn, Birke, Apfel, Kirsche
- Mittel: Buche, Hainbuche, Haselnuss
- Langsam: Eiche, Walnuss, Kastanie
- Gar nicht: Blätter mit Mehltau, Rost oder Sternrußtau
Laub kompostieren oder entsorgen: Was spricht für was?
Ein Balkon ist kein Garten. Wer zwanzig Liter Laub in einem 60-Liter-Kübel sammelt, hat im Frühjahr vielleicht sechs Liter Erde gewonnen. Das klingt mager, spart aber den Weg zum Wertstoffhof und liefert dir ein Substrat, das du sonst kaufen müsstest.
Für das Kompostieren spricht der Kreislauf: Aus dem Laub deiner Kübelpflanzen wird wieder Erde für dieselben Töpfe. Dagegen spricht der Platzbedarf, den ein halb voller Sack über Monate belegt.
- Kompostieren lohnt sich bei gesundem, weichem Laub und einem Stellplatz, der nicht stört.
- Entsorgen ist sinnvoll bei krankem Laub, bei großen Mengen Walnuss oder Eiche sowie bei akutem Platzmangel.
- Mulchen ist der dritte Weg: eine dünne Schicht auf der Topfoberfläche, die bis zum Frühjahr verrottet.
Wie wird aus dem Blattberg schnell feine Erde?
Laub allein verrottet langsam, weil es viel Kohlenstoff und wenig Stickstoff enthält. Der Trick ist die Mischung: Auf drei Teile Laub kommt ein Teil Grünschnitt, Kaffeesatz oder Küchenabfälle. Damit kommen die Mikroorganismen in Gang.
Zerkleinern beschleunigt den Prozess enorm. Ein Häcksler ist auf dem Balkon selten praktikabel, eine Heckenschere im Eimer oder ein kurzer Durchgang mit dem Rasenmäher über einem Sack tun es auch. Je kleiner die Stücke, desto schneller der Abbau.
Die Feuchtigkeit muss stimmen: wie ein ausgedrückter Schwamm, nicht tropfnass und nicht staubtrocken. Ein Deckel hält Regen ab und speichert Wärme. Alle vier bis sechs Wochen umschichten, dann ist der Kompost nach acht bis zwölf Monaten fertig.
Wie groß muss der Behälter für Laubkompost sein?
Laub fällt beim Verrotten auf etwa ein Zehntel seines Volumens zusammen. Aus 100 Litern Herbstlaub werden also rund 10 Liter Erde. Wer mit einem 60-Liter-Sack startet, darf keine großen Ernten erwarten, hat aber genug Substrat für ein paar Kräutertöpfe.
- Ein Kunststoffsack mit Luftlöchern, zusammengerollt an der Hauswand
- Ein Komposter mit Deckel, wenn der Balkon ebenerdig liegt
- Eine Wurmkiste, in der Regenwürmer das Laub in wenigen Monaten in Wurmhumus verwandeln
Achte darauf, dass der Behälter nicht in der prallen Mittagssonne steht. Schatten und Windschutz halten die Feuchtigkeit stabil.
Was gehört nicht in den Laubkompost?
Krankes Laub ist der häufigste Fehler. Blätter mit Mehltau, Rosenrost oder Sternrußtau tragen Pilzsporen, die im Kübel überleben und im nächsten Jahr deine Pflanzen erneut infizieren. Solche Blätter kommen in einen fest verschlossenen Sack und verlassen den Balkon.
Auch Eicheln, Kastanien und Walnüsse gehören nicht in den Kompost. Sie keimen dort im Frühjahr zuverlässig aus und du ziehst dir kleine Bäume in den Kübel. Nadelstreu verrottet sehr langsam und ist deshalb nur in kleinen Mengen sinnvoll.
Kann Laub als Mulch auf dem Balkon bleiben?
Für Kübelpflanzen ist Laub ein guter Winterschutz. Eine Schicht von zwei bis drei Zentimetern auf der Topfoberfläche dämpft Temperaturschwankungen und hält die Feuchtigkeit länger im Substrat. Grobes Laub von Eiche oder Buche hält sich dabei länger als weiches Ahornlaub.
Vorsicht bei Töpfen, die ohnehin zur Staunässe neigen. Unter einer dicken Laubschicht trocknet die Oberfläche kaum ab, und im Winterhalbjahr faulen Wurzeln schnell. Lockere die Schicht im Februar einmal auf und ziehe sie im März ab, bevor die ersten Triebe kommen.
Am Ende bleibt es eine Frage des Maßes: Ein Eimer Laub kostet nichts und bringt nach einem Jahr feine Erde für zwei Kräutertöpfe. Was nicht passt, verschwindet im Sack. Der Balkon sieht im November ordentlich aus, und im Frühjahr hast du etwas zum Einpflanzen.
Veröffentlicht am 26. September 2026