Anzucht

Radicchio-Vorkultur auf der Fensterbank gelingt fast immer

Radicchio keimt als Lichtkeimer in vier bis sechs Tagen. Auf der Fensterbank entscheidet vor allem eines: genug Licht ab dem ersten grünen Spitzchen.

Radicchio braucht keinen großen Garten, aber einen sauberen Start. Die Radicchio-Vorkultur auf der Fensterbank ist bei Cichorium intybus fast schon Pflicht: Die Samen keimen ungleichmäßig, und die zarten Jungpflanzen sind bei Staunässe schnell hin. Drinnen hast du Licht, Wärme und Feuchtigkeit selbst in der Hand. Nach vier bis sechs Wochen ziehen kräftige Setzlinge nach draußen.

Warum sich die Radicchio-Vorkultur auf der Fensterbank lohnt

Radicchio, Chicorée und Zuckerhut gehören zu den Korbblütlern und keimen als Lichtkeimer. Das heißt: Die Samen dürfen nur angehaucht mit Erde bedeckt werden, sonst bleibt der Keim im Dunkeln stecken. Im Beet verschwinden sie bei einem Regenguss schnell unter der Krume, in der Schale kontrollierst du das selbst.

Dazu kommt die Zeit. Für eine Herbsternte säst du zwischen Juni und Juli aus, für feste Winterköpfe etwas später unter Glas. Wer vorzieht, gewinnt vier bis sechs Wochen und setzt bereits Jungpflanzen mit vier bis fünf Blättern ins Beet oder in den Kübel.

Bei der Sorte lohnt das Hinschauen. 'Palla Rossa' bildet feste, dunkelrote Köpfe, 'Variegato di Castelfranco' bleibt zart und hell, 'Treviso' schiebt lange, schmale Blätter. Alle drei lassen sich gleich vorziehen, brauchen aber unterschiedlich lange bis zur Ernte.

Gefäß und Erde: klein anfangen, sauber arbeiten

Nimm Anzuchtschalen oder Multitopfplatten mit rund vier Zentimetern Tiefe. Zu große Töpfe sind ein Nachteil, weil die Erde darin lange nass bleibt und die jungen Wurzeln ersticken. Aussaaterde ist nährstoffarm, fein und keimfrei, das ist für die ersten drei Wochen genau richtig.

Ein Zimmergewächshaus hilft, aber nur mit Lüften. Sobald die ersten grünen Spitzen zu sehen sind, kippst du den Deckel schräg oder nimmst ihn ganz ab. Sonst steht die Luft, und die Keimlinge fallen reihenweise um.

  • Anzuchtschale mit Abzugsloch im Boden
  • torffreie Anzucht- oder Aussaaterde
  • Sprühflasche statt Gießkanne
  • Klarsichtfolie oder Haube für die erste Woche
  • Etiketten mit Sortenname und Aussaubdatum

Aussaat in fünf Schritten

  1. Schale bis einen Zentimeter unter den Rand mit Erde füllen und glatt andrücken.
  2. Erde mit der Sprühflasche durchfeuchten, nicht durchnässen.
  3. Samen dünn verteilen, etwa zwei Zentimeter Abstand zwischen den Körnern.
  4. Nur hauchdünn mit gesiebter Erde bestreuen oder einfach festdrücken.
  5. Anzuchtschale abdecken, hell bei 18 bis 20 Grad aufstellen, täglich lüften.

Nach dem Auflaufen lässt du nur die kräftigsten Pflänzchen stehen. Radicchio verträgt das Vereinzeln gut, wenn du die übrigen Keimlinge mit einer Pinzette herausziehst statt sie herauszureißen. Die Wurzeln der Nachbarn bleiben so unverletzt.

Licht, Wasser und Temperatur richtig dosieren

Licht ist der kritischste Punkt. Ein Südfenster liefert im Frühjahr oft zu wenig, dann vergeilen die Stiele und die Blätter bleiben dünn. Eine kleine LED-Leiste mit 12 bis 14 Stunden Beleuchtung pro Tag hält die Pflanzen kompakt und kräftig.

Beim Wasser gilt: feucht, nie nass. Sprühe morgens, damit die Oberfläche bis zum Abend abtrocknet. Restwasser im Untersetzer gießt du nach zehn Minuten weg, denn genau dort holt sich der Radicchio die Umfallkrankheit.

Die Temperatur senkst du nach der Keimung auf 15 bis 16 Grad. Kühler und hell stehen die Jungpflanzen deutlich gedrungener da, und sie stecken den Wechsel nach draußen später besser weg.

Wenn die Keimlinge plötzlich umkippen

Ein weißlicher Ring am Wurzelhals und schlaffe Stiele sind typisch für die Umfallkrankheit. Sie entsteht fast immer durch zu viel Feuchtigkeit, zu wenig Luft und zu dicht stehende Pflanzen. Betroffene Keimlinge entfernst du sofort samt Erde, damit der Pilz nicht weitergreift.

Als Gegenmaßnahme reichen drei Dinge: Haube ab, Luftzug vom gekippten Fenster, morgens statt abends gießen. Anzuchterde aus dem Beutel ist bereits keimfrei, alte Erde aus dem Vorjahr solltest du für die Aussaat nicht wiederverwenden.

Abhärten und auspflanzen

Eine Woche vor dem Umzug nach draußen beginnt das Abhärten. Stell die Schale tagsüber für eine Stunde in den Schatten, dann jeden Tag etwas länger und heller. Nachts kommt sie wieder rein, denn Radicchio-Setzlinge sind in dieser Phase noch empfindlich.

Gepflanzt wird mit dem ganzen Wurzelballen, etwa 30 Zentimeter Abstand im Beet. Im Kübel brauchst du mindestens zehn Liter Erde pro Pflanze und eine Handvoll Kompost im Pflanzloch. Nach dem Setzen gut angießen und die erste Woche schattig halten.

Die ersten Tage sind der Moment, in dem sich die Vorkultur auszahlt. Kräftige, gedrungene Setzlinge wachsen ohne Stopp weiter, während direkt gesäte Körner noch mit Schnecken und Trockenheit kämpfen. Nach etwa zehn bis zwölf Wochen kannst du die ersten Köpfe ernten.

Veröffentlicht am 26. September 2026

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