Regenwasser
Die 5 wichtigsten Wege für Regenwasser im Vertikalgarten
Bei einem Starkregen rauschen über drei Meter Brüstung schnell zehn Liter in den Abfluss. Diese fünf Sammelwege holen sie in deine Pflanzwand.
Regenwasser auf dem Balkon landet meist im Abfluss, bevor es eine Pflanze zu sehen bekommt. Dabei läuft bei einem kräftigen Schauer über eine drei Meter lange Brüstung so viel Wasser ab, dass du damit locker eine halbe Saison gießen könntest. Für Vertikalgärten ist das besonders schade, weil dort viele kleine Töpfe hängen und schnell austrocknen. Die fünf wichtigsten Wege für Regenwasser-Nutzung in Vertikalgärten auf deinem Balkon sortiere ich hier nach Aufwand und Ertrag.
Platz 1 - Regenwasser-Nutzung im Vertikalgarten mit hängender Rinne
Die einfachste Sammelstelle liegt direkt unter deiner Brüstung. Du schraubst eine halbierte Dachrinne mit zwei Haltern außen ans Geländer und gibst ihr ein Gefälle von etwa einem Zentimeter pro Meter. Bei zehn Millimetern Regen bringt ein Meter Rinne mit zwölf Zentimeter Breite rund 1,2 Liter, an einem drei Meter langen Geländer also gut dreieinhalb Liter pro Schauer.
Am tiefsten Punkt sitzt ein Endstück mit Auslauf, darunter hängt ein Eimer. Ein Laubschutz aus Kunststoffgittern hält Blätter und groben Schmutz zurück, sonst verstopft der Auslauf innerhalb weniger Wochen. Mit einer Stunde Arbeit und rund zwanzig Euro Material ist dieser Platz fertig.
Platz 2 - Der Regensack hinter der Pflanzwand
Wer nicht bohren will, hängt einen zusammenfaltbaren Regensack außen an die Brüstung. Diese Säcke fassen 20 bis 40 Liter und liegen flach an, solange sie leer sind. Bei Wind klappern sie deutlich weniger als ein loser Eimer. Ein Ablaufhahn unten ist Pflicht, sonst musst du den vollen Sack zum Gießen jedes Mal abnehmen.
Alternativ verschwindet ein flacher 30-Liter-Kanister hinter der Trägerplatte deiner Pflanzwand. Verbinde ihn mit einem kurzen Schlauch mit dem untersten Topf, dann läuft das Wasser von allein nach.
Platz 3 - Dochtbewässerung direkt aus dem Vorrat
Regenwasser ist weich und kalkarm, deshalb bleibt es in Dochten lange flüssig. Bei hartem Leitungswasser setzen sich die Fasern nach wenigen Monaten mit Kalk zu und ziehen kaum noch Wasser. Ein Docht aus Polyester, der vom Vorratsbehälter in jeden Topf führt, versorgt die Pflanzen dann Tag für Tag.
Rechne mit einem Docht von etwa acht Millimetern Durchmesser pro Topf bis fünf Liter Volumen. Größere Gefäße bekommen zwei Stränge. Der Vorrat muss tiefer stehen als die Töpfe, sonst arbeitet die Kapillarwirkung nicht.
Platz 4 - Mulch und Auffangschalen halten den Rest
Was du oben auffängst, soll unten nicht sofort verdunsten. Eine zwei bis drei Zentimeter dicke Schicht aus Kokosfasern oder Rindenmulch auf jedem Topf bremst die Verdunstung spürbar. Gleichzeitig schlägt der Regen nicht mehr direkt auf die Erde und spült sie nicht aus dem Gefäß.
Setze unter die unterste Etage deiner Wand eine flache Auffangschale. Was durch alle Töpfe sickert, sammelt sich dort und kann noch einmal nach oben wandern. Bei Tomaten und Paprika lohnt das, weil beide in kleinen Gefäßen sehr durstig sind.
Platz 5 - Trichter, Filterschwamm und Überlauf
Ein breiter Trichter über dem Kanister fängt Regen auf, der an der Rinne vorbeigeht. Steck einen groben Filterschwamm hinein, damit kein Laub in den Vorrat rutscht. Ein engmaschiges Netz über der Öffnung hält zusätzlich Stechmücken fern, ohne dass du zu chemischen Mitteln greifen musst.
Ein Überlauf ist genauso wichtig wie der Zulauf. Dunkle Behälter erwärmen sich in der Sonne stark, und warmes, stehendes Wasser kippt schnell. Lass den Überlaufschlauch frei zum Balkonabfluss führen, damit überschüssiges Wasser sauber abläuft.
Fang mit der Rinne an, denn sie kostet am wenigsten und bringt von allen fünf Wegen das meiste Wasser. Wenn der erste Eimer voll ist, merkst du schnell, wie viel Gießkanne du dir sparst. Der Rest wächst dann von selbst zusammen.
Veröffentlicht am 23. Oktober 2026