Upcycling

Wie aus altem Geschirr ein Blumenkasten für den Balkon wird

Eine angeschlagene Teekanne, eine Suppenschüssel mit Sprung: Beides hält Kräuter länger feucht als jeder gekaufte Kasten. Ein Bohrer, Kies und Erde genügen.

Ein Sprung in der Suppenschüssel, ein abgeplatzter Henkel an der Kanne: Solche Stücke wandern bei mir nicht in den Müll. Ein Blumenkasten aus altem Geschirr ist in einer halben Stunde fertig, kostet nichts und sieht auf dem Balkontisch besser aus als jeder Plastikkasten. Die dicken Wände halten die Feuchtigkeit länger, das kleine Erdvolumen passt genau zu Kräutern und kompakten Blütenpflanzen.

Du brauchst dafür keine Werkstatt. Ein Fliesenbohrer, ein paar Kieselsteine und normale Blumenerde reichen. Alles andere findest du in der Küche oder im Werkzeugkasten. Wichtig ist nur, dass das Gefäß mindestens sechs Zentimeter tief ist und stabil steht.

Welches Stück wird zum Blumenkasten aus altem Geschirr?

Keramik, Steingut und Porzellan sind ideal. Sie sind schwer genug, dass der Balkonwind sie nicht umwirft, und sie speichern Feuchtigkeit besser als Kunststoff. Tassen, Auflaufformen, Suppenterrinen, ein alter Milchtopf oder eine Schale mit abgeplatztem Rand: Alles darf mitmachen.

Finger weg von dünnwandigem Porzellan und von Stücken mit mehreren Rissen. Ein kleiner Sprung wird beim Bohren zur Bruchlinie, und dann liegt die Erde auf dem Balkonboden. Zinkwannen und Metalltöpfe funktionieren zwar auch, heizen sich in der prallen Sonne aber stark auf. Auf einem Südbalkon ist Keramik die bessere Wahl.

Vor dem Bepflanzen spülst du das Geschirr einmal mit heißem Wasser aus. Mehr braucht es nicht. Spülmittelreste mögen feine Wurzeln nicht.

Wie bohrst du das Abzugsloch ohne Bruch?

Ohne Abzugsloch steht das Gießwasser in der Schüssel und die Wurzeln faulen innerhalb weniger Wochen. Das Loch ist also Pflicht, nicht Kür. Der Trick heißt: weniger Druck, mehr Geduld als bei Holz oder Metall.

So gehst du vor:

  1. Ein Stück Klebeband über die Bohrstelle kleben. Es hält den Bohrer am Platz und verhindert ein Wegrutschen.
  2. Mit einem Fliesen- oder Diamantbohrer im 45-Grad-Winkel ankratzen, bis eine kleine Kerbe sitzt.
  3. Den Bohrer aufrecht stellen und mit niedriger Drehzahl weiterbohren. Nicht drücken, nur führen.
  4. Bohrstaub mit Wasser wegspülen und die Stelle trocknen lassen.

Bei dünnem Porzellan reicht oft schon ein Nagel und ein leichter Hammerschlag von innen. Setze ihn an einer Stelle an, die später von Erde bedeckt ist. Bricht das Stück dabei, war es ohnehin zu schwach für die nächste Saison.

Welche Erde und Pflanzen passen in das Gefäß?

Blumenerde direkt aus dem Sack ist für kleine Gefäße oft zu grob und zu torflastig. Nimm Kräutererde oder mische normale Erde mit einem Drittel Sand. Das lockert die Struktur und lässt Wasser schneller nach unten durch.

Für Tassen, Schüsseln und flache Auflaufformen eignen sich flach wurzelnde Pflanzen:

  • Thymian, Oregano und Salbei: trockenheitsfest, schneidbar, wachsen buschig
  • Schnittlauch und Petersilie: brauchen mehr Wasser, danken es mit laufender Ernte
  • Portulak und Kapuzinerkresse: blühen üppig und hängen über den Rand
  • Zwergpetunien und Steinkraut: für Stücke, die nur sechs Zentimeter tief sind

Als Drainage kommt auf den Boden eine Schicht Kies oder Blähton, etwa zwei Finger hoch. Darauf die Erde, dann die Pflanze. Ein Untersetzer ist bei kleineren Stücken sinnvoll, bei tiefen Terrinen reicht eine Untertasse.

Wie hältst du alles über die Saison am Leben?

In Tassen trocknet die Erde schneller als in jedem Balkonkasten. Prüfe mit dem Finger, ob die oberste Schicht noch feucht ist. Gieße lieber morgens durchdringend als abends ein bisschen, dann verdunstet weniger.

Nachdüngen musst du sparsam. Ein flüssiger Kräuterdünger alle zwei Wochen reicht, bei Salbei und Thymian sogar weniger. Zu viel Dünger macht die Blätter weich und anfällig für Mehltau und Blattläuse.

Vor dem Winter kommen empfindliche Stücke nach drinnen oder unter einen Windschutz. Keramik verträgt Frost besser als Steingut, aber Staunässe im gefrorenen Topf sprengt selbst dicke Wände. Stelle das Gefäß auf Holzklötze, damit unten Luft rankommt und das Wasser ablaufen kann.

Altes Geschirr muss nicht ins Regal zurück oder in den Sperrmüll. Mit einem Abzugsloch, etwas Kies und der richtigen Erde wird daraus ein Blumenkasten, der auf dem Balkon mehr hermacht als die graue Standardware. Fang mit einem Stück an, das dir ohnehin nie gefallen hat. Wenn es gut läuft, folgt der Rest der Sammlung von selbst.

Veröffentlicht am 26. September 2026

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